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Gut gelaufen: Im Gespräch mit Inklusionsberater Henning Sybertz erzählt Augenoptikerin Aline Dziwak über ihre positive Entwicklung.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Richtiger Blick: Wie der Meister seinen Lehrling gefunden hat

Aline Dziwak ist Augenoptikerin und bei Peter Knopik angestellt

Auszubildende QualiTec GmbH

Eigener Arbeitsbereich und Meisterschule vor Augen

Aachen/Herzogenrath. „Wir haben hier einen guten Lauf“. Henning Sybertz ist sehr zufrieden. Er ist Inklusionsberater bei der Handwerkskammer Aachen und berät Betriebe, die Menschen mit Behinderungen beschäftigen wollen oder bereits angestellt haben. Bei Optikermeister Peter Knopik und seiner Mitarbeiterin Aline Dziwak hat von Anfang an alles bestens geklappt, glatter Durchmarsch sozusagen.

Über die Inklusionsberatung der Kammer fanden Meister und Lehrling vor vier Jahren zueinander. Knopik hatte 2013 sein Geschäft in Herzogenrath eröffnet, von da an ging alles sehr schnell. Heute sagt Peter Knopik: „Das passte einfach sehr gut hier von Anfang an. Mit Aline habe ich einen Glückgsgriff getan!“

Der Inklusionsberater der Handwerkskammer Aachen, Henning Sybertz, informiert und begleitet Betriebe bei der Neueinstellung, Beschäftigung oder Ausbildung von schwerbehinderten Menschen. Das LVR-Integrationsamt fördert die Fachberatung für Inklusion.

Alles im Blick: Im neuen Kontaktlinsenzentrum arbeitet Aline Dziwak an modernen Geräten. ©Handwerkskammer Aachen


Aline Dziwak befand sich in einer begleiteten betrieblichen Ausbildung der Agentur für Arbeit bei der Qualitec GmbH, einer Tochter der Handwerkskammer. Bei deren Potenzialanalyse kam heraus, dass der Beruf Augenoptikerin zu Dziwak passen würde. Zuvor hatte sie schon mehrere Stellen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ausprobiert, aber keine davon beendet. In diesem Zeitraum von etwa fünf Jahren musste die junge Frau immer wieder krankheitsbedingt aussteigen, verbrachte Monate lang in Kliniken. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben fiel zunehmend schwerer.

Bis zum Tag, als sie die Lehre bei Optik Knopik begann. Von da an ging es auch für Aline Dziwak bergauf. Die Lehre hat sie erfolgreich beendet, demnächst möchte sie die Meisterschule besuchen. Eine richtige Verschnaufpause vom Lernen hat sich die 27-Jährige dagegen nicht gegönnt. Im Herbst vergangenen Jahres hat sie mehrere Seminare speziell für Kontaktlinsen in Dortmund und Oranienburg besucht.

Denn Aline Dziwak wird bald einen eigenen Arbeitsbereich im neuen Kontaktlinsenzentrum der Firma haben. Die Geschäftserweiterung des Brillen- und Kontaktlinsenstudios ist kurz vor dem Abschluss; passend zum steilen Aufstieg hat Peter Knopik Anfang des Jahres neben seinem Geschäft ein weiteres übernommen und dieses weitestgehend in Eigenregie entkernt. „Ich mache sonst immer sehr filigrane Arbeit als Optiker. Das war einfach geil, mal mit einem dicken Hammer Wände einzustürzen“, sagt er lachend. Der neue Tätigkeitsbereich seiner Mitarbeiterin, seine Werkstatt und Räume für einen Hörakustiker finden dann Platz in den neuen Räumen. Aber vor dem Umzug werkeln die Handwerker noch fleißig in den beiden Geschäftsräumen, verlegen Kabel, gleichen unterschiedliche Ebenen aus.

Nach Fertigstellung wird es eine neu gestaltete Werkstatt geben, bei dem Kunden und Interessierte dem Meister und seinen Gesellen auf die flinken Finger schauen können. „Eine offene Werkstatt war immer mein Traum. Hier kann ich mein Handwerk zeigen“, so Knopik.

Aline Dziwak freut sich ebenfalls über die Veränderungen. Schon zu Beginn ihrer Lehre hatte die junge Frau gesagt, dass sie morgens nicht mehr mit Magenschmerzen aufstehe und endlich gerne zur Arbeit gehe. Daran habe sich nichts geändert. „Ich fühle mich richtig wohl hier und habe beruflich alles richtig gemacht“, betont die Augenoptikerin. Und: „Ich freue mich auf den neuen Raum. Dort kann ich entspannter arbeiten, weil ich mich viel besser konzentrieren kann. Es laufen nicht so viele Prozesse gleichzeitig.“

Von der Ausbildung mit entsprechenden Förderungen über die Gesellenprüfung in die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, danach die Förderung der Weiterbildungen sowie für die Einarbeitung an den neu angeschafften Geräten: „Aline hat alle Anforderungen erfüllt, an die die Förderungen seitens des Landschaftsverbandes Rheinland  geknüpft waren“, erklärt Sybertz.

Fördern

Das Vorhandensein einer Schwerbehinderung sagt grundsätzlich nichts über den Einsatz und die Leistungsbereitschaft eines Beschäftigten aus. Das weiß Peter Knopik, und mittlerweile erkennen viele Arbeitgeber, dass Menschen mit Behinderungen zuverlässige und motivierte Mitarbeiter sein können.

Die Neueinstellung oder Ausbildung eines schwerbehinderten Menschen kann gefördert werden. Investitionen in die Ausstattung eines Arbeitsplatzes können bezuschusst werden. Je nach Einzelfall können Einstellungsprämien und Lohnkostenzuschüsse gewährt werden. Sollte es die Behinderung erfordern, ist der Einsatz von technischen Arbeitshilfen oder eine behinderungsgerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes notwendig und unterstützungsfähig.